Kirchgemeinde St. Marien

Evangelisch-Lutherisch | Gera-Untermhaus

Die Geschichte der Kirche Thieschitz

Losung für Montag, 11. Dezember 2017:
Der HERR segne dich und behüte dich.
4.Mose 6,24
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Evangelisch
Lutherische
Kirchgemeinde
Gera-Untermhaus
St. Marien

Die Flur, in der der Erlbach in die Elster mündet, gehört zu Thieschitz und den beiden eingepfarrten Orten Rubitz und Milbitz. Die drei Ortschaften sind Gründungen sorbischer Siedler. Deren Gräber hat man auf den so genannten „Totenacker“ hinter der Kirche gefunden. Nicht mehr vorhanden sind die „Zwerghöhlen“, Auslaugungen von Gipsablagerungen und Reste ehemaligen Bergbaus. Sie waren das unterirdische Reich des Zwergenkönigs Cyrillis und seines Völkleins. Hilfsbereit begegneten die Zwerge denen, die sie ernst nahmen. Bei den Dorfbewohnern waren sie als dienstbare Geister gern gesehen. Als sie aber übermäßig Gefallen am frisch gebackenen Brot zeigten und es sich heimlich nahmen, wurde man ihre überdrüssig. Man mischte dem Brot Kümmel und andere Gewürze bei. Die Zwerge, die das nicht vertragen konnten, verließen unter Wehklagen das Elstertal für immer. Hinter dieser Sage könnte die Verdrängung der Sorben durch deutsche Siedler stehen.

Thieschitz erscheint erst sehr spät – 1533 als Deschitz und 1534 als Thieschitz – urkundlich, hat aber schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts bestanden. Die Kirche zu Thieschitz gilt, wie die zu Schwaara, als ehemaliges Filial der Geraer Stadtkirche. Ein Rest der alten Kirche aus der romanischen Zeit ist trotz der Um- und Erweiterungsbauten noch im Turmunterteil erhalten geblieben. Eine mögliche Existenz eines Langhauses wird für das Jahr 1541 vermutet. Im Jahr 1567 war Nikolaus Finck Ortspfarrer.

Ab 1647

Das Dorf Thieschitz war immer klein und hatte im Jahr 1647 in elf Familien 49 Einwohner. 1810 wurde das Kircheninnere erneuert und eine Orgel von Christoph Opitz eingebaut, deren Orgelbälge auf dem Dachboden erhalten sind. 1851 wurde der Turmoberbau mit Schweifkuppel und Spitzhelm vorgenommen. Die Verlängerung und Erhöhung des Langhauses, die Veränderung der Apsis und der Anbau der Sakristei und einer Vorhalle im Jahre 1867 führten zu einer ergreifenden Umgestaltung des Gotteshauses. Der Eingang wurde von Norden nach Westen verlegt. Der Gutsstand wurde umgebaut und zwei Grüften wurden nach Plänen von Baurat Krieg aus Gera unter dem Altarraum und im nördlichen Langhaus verfüllt. Chor mit Flachdecke trägt den Turm in einer Grundfläche von 3,6m x 5m. Triumphbogen zum Langhaus, Rundbogen zur Apsis, hier drei Rundbogenfenster.

Das Langhaus mit Flachdecke hat eine Grundfläche von 11,1m x 6,4m und an jeder Seite drei hohe Rundbogenfenster, halbiert durch einen Sturz. Das Satteldach ist mit Ziegeln gedeckt, Sparrenfries. Der Turm steht auf einen rechteckigem Unterbau mit einem Obergeschoß mit Fenstern nach allen vier Seiten, alle mit gepaarten Rundbögen auf Mittelsäule, Eckquaderung, achteckige Schweifkuppel, durch Knick und Kehle in einen spitzen Helm übergehend. Die Sakrestei an der Turm-Südseite hat eine rechteckige Tür nach Westen. Der ehemalige Gutsstand an der Turm-Nordseite war als Umbau für eine Leichenhalle vorgesehen. Das Mauerwerk der Kirche ist massiv, Bruchstein und Ziegel und ist weitestgehend verputzt. 1919 wurde Thieschitz nach Gera eingemeindet und hatte in 110 Haushalten 414 Einwohner.

Ab 1967

1967 erhielt der Innenraum eine gelungene Erneuerung, die man beim Anblick des Kirchenäußeren nicht erwartet. Sie gleicht weiterhin der Umgestaltung der Filialkirche zu Hartmannsdorf. Beide wurden fast zu gleicher Zeit renoviert. Neu ist der Altar, hinter dem das alte Kruzifix von 1768 steht, neu ist auch das Taufgestell. Erneuert und im Stil Altar und Taufe angeglichen, steht die Kanzel, über vier Stufen begehbar, fast zu ebener Erde vor dem Triumphbogen.

Dass die Empore an Nord- und Südwand weggenommen wurde, ist kein Verlust. Es ist noch genügend Platz da. Auch das Licht kann nun ungehindert und ungemindert Einlass finden. 1993 wurde die Dacheindeckung erneuert. 1994/95 wurden am Turm Putzarbeiten durchgeführt. Durch Spendengelder und Fördermittel war es möglich im Herbst des Jahres 2006 zunächst den Altarraum und im Jahr der BUGA 2007 das Kirchenschiff weitestgehend zu restaurieren und zu renovieren. Der Weihnachtsgottesdienst 2007 konnte in einer schmucken und gut besuchten Kirche gefeiert werden.